Warschau – Vilnius

3-Tages-Trip mit 470 km

Route: Warschau – Wyszkow – Ostrow – Lomza – Grajewo – Augustow – Giby – Grenze PL/LT – Veisiejas – Leipalings – Merkine – Naujreji Valkininkai – Baltoji Voke – Vilnius

„Den Jungs gehts gut, fast schon zu gut“ könnte man meinen.
„Wir haben optimale Bedingungen & genießen diesen Teil ganz besonders“ meinen hingegen die beiden Fahrer.

Fakt ist wir haben einiges an Strecke zurück gelegt die letzten Tage, sowie an Erfahrung hinzugewonnen, und werden hiermit versuchen dies etwas komprimierter zu reflektieren (da wir sonst kaum hinterher kommen mit schreiben).

Start in Warschau: Di. 8:30
190km
Start in den Tag mit kleinem Frühstück. Wir verwundern die Rezeption als wir mit unseren bepackten Fahrrädern den Aufzug verlassen. Den Vormittag über hat es geregnet, ca. 18°C hat es nun.
Wir fahren gen Norden und passieren die Altstadt, den Fluss und fahren zügig aus der Stadt (die Busfahrer müssen uns teilweise mehrmals passieren und wieder halten, was manch einer gar nicht verstehen mag und uns lieber auf den Gehweg verbannen würde, als einen Platz auf der Straße zu gönnen). Ein großes Stück auf Autobahn ähnlicher Bundesstraße fahren wir bis Ostrow immer auf den nächsten Regenschauer wartend.

Ein netter kleiner Seitenwind hat einen eher positiven Effekt auf unser Vorankommen. Bei km 90 machen wir die erste richtige Pause.
Ab da teilen wir uns die Landstraße mit allerhand LKWs. Baustellen werden zu Flaschenhälsen und Fahrradfahrer sowie Traktoren zu Korken. Aber daran haben wir uns ja bereits gewöhnt.

Nur manchmal wirds dann doch eng wenn z.B. ein entgegenkommender LKW überholt und relativ nah an uns herankommt – zumal wir sonst immer mit ausreichend Sicherheitsabstand überholt werden und uns auch entsprechend sicher fühlen.
Weiter gehts, wir kommen gut voran. An diesem Tag haben wir sogar einige Cheerleader am Straßenrand stehen, die uns nett zu (sich) winken. Der Wettergott ist mit uns und so erleben wir einen gelungenen Sonnenuntergang nebst fernen Regenschauern.

Die Kaffeepause bei km 145 gibt uns noch einmal Schwung, denn anschließende Schauer und mangelnde Schlafgelegenheiten (triefend nass zelten muss ja nicht sein) lassen uns eben bis Szczuczyn bei besagtem km 190 fahren. Die Unterkunft, ein Zimmer oberhalb eines Bistros inmitten und zwischen anderer jüngerer Mitbewohner wirft Fragen auf. Die Dusche dennoch warm & das Bett taugt zum Schlafen, nur das Frühstück lässt zu wünschen übrig.

Weiter gehts nach Augustow.
Wir genehmigen uns ein verspätetes Frühstück auf dem Weg, dafür dann in Augustow eine kleine Rast. In der Sonne ists heiß und im Schatten eher kühl, ansonsten optimales Radlwetter.

Mit Augustow beginnt eine Reihe von Seen, die auch bei Touristen beliebt zu sein scheint und zum Kanufahren genutzt wird.
Kurz vor der Grenze verklopfen wir das restliche Münzspielgeld und versuchen eine kleine Abkürzung zu nehmen. Was als normal eingezeichneter Weg beginnt wird recht bald Feldweg und führt an der Grenze entlang anstelle darüber. Einen Grenzpfosten im Visier queren wir diverse Wiesen und Felder bis wir tatsächlich auf befahrbarem Litauischen Boden landen. Diese Abkürzung hat uns ein paar Stunden gekostet und die Räder sicher wieder übermäßig beansprucht. Zumal die folgenden 15 km über ungeteerte Strecke führen und eine einzige Buckelpiste sind. Mit der Litauischen Karte wird auch nicht so richtig klar welche Straßen nun echt sind und welche nicht. Der erste Unterschied, der mir ins Auge fällt sind die vielen kleinen nett angelegten Seen, steppenartige Weiten und weit verteilte Kühe und Pferde. Irgendwie scheint jeder an uns interessiert zu sein denn häufig brüllt es aus vorbeifahrenden Autos heraus. Dass wir mittlerweile eine neue Zeitzone betreten haben war uns auch nicht bewusst. In einem kleinen Dorf dann aber die Ernüchterung: kein Einkauf ohne Cash, kein Cash ohne Bankomat und weit und breit keine Stadt mit Bankomat. Ohne Russischkenntnisse ist es gar nicht so einfach sich hier zu verständigen. Bis wir also die nächste Ortschaft kannten, die uns weiterhelfen könnte, war es 21:00 und wir nicht mehr gewillt noch 20km Umweg zu fahren. Da wir aber in der Nähe eine kleine Herberge vermuteten brachen wir dorthin auf. Doch wie sollte es auch anders sein, kein Mensch weit und breit zu sehen. Mit etwas Glück erreichen wir aber den Vermieter und handeln mit ihm aus eine kleine Spritztour in die nächste Geldautomatenstadt zu unternehmen womit wir erst einmal wieder etwas cash vorweisen konnten.
In Druskininkai steht übrigens eine eingehauste Skipiste, allerhand Bäder und Spa-Hotels und auch sonst scheint hier der Tourismis (zumindest für Litauen) wieder erfunden zu werden. Nett anzusehen aber nichts für uns. Wir haben für diese Nacht eine gute Unterkunft und alles was man sonst noch braucht.

Der Donnerstag führt uns stundenlang einfach nur gerade aus durch Wälder hindurch, an Seen vorbei, kaum Ortschaften und sehr wenig Verkehr. Wenn dann doch einmal ein überbreiter Transporter überholen möchte, Uwe bei dem Dauergehupe aber erst recht nicht rechts ran fährt, dann könnt ihr Euch sicher ausmalen welch kurioses Bild das abgibt. Die Garage kam einfach nicht vorbei, erst beim 20. Versuch und mit Uwe’s Nachsicht gelang es endlich (leider kein Foto vorhanden).

Als wir bei Pirčiupiai auf eine ruhigere Nebenstraße in Richtung Vilnius abbiegen werden wir von Harry freundlich winkend überholt. Wir fahren nun auf einer einspurig geteerten Straße, auf der man zum Passieren auf unbefestigte Schotterpiste ausweichen muss – zwei Autos passen eben nicht neben einander. Als wir Harry einholen und uns natürlich etwas unterhalten möchten wird es dann schon schwieriger.
Harry ist Litauer aus Druskininkai, der in Vilnius studiert. Er fährt diese Strecke nicht sehr oft, wenn dann aber immer alleine. Er freut sich riesig über Begleitung und wir gelangen so an ein paar Infos der Hauptstadt. Als Architekturstudent hat er wohl nicht so eine rosige Perspektive in seinem Land – von Aufbruchstimmung ist wenig zu vernehmen. Er spricht von großer Unverhältnismäßig, viele verließen deswegen das Land oder arbeiteten bereits im Ausland. Er würde uns gerne mehr von der Altstadt zeigen doch als er erfährt, dass wir wohl nur eine Nacht bleiben würden gibt er zu verstehen, dass man schon zwei bis drei Tage aufwenden müsse um seine Stadt kennen zu lernen. Tja so sind sie die Radfahrer, immer auf dem Sprung zur nächsten Location. Wir verlassen Harry und radeln in das Stadtzentrum.

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Dieses Mal das Smartphone in der linken Hand, die Kamera in der rechten und das Rad an den Füßen. Zum Bremsen keine gute Idee. Wir gelangen aber wohl erhalten ans Ziel, in eine nette Unterkunft und schaffen es die Altstadt bei Tage zu besichtigen. Am Ende stehen 135km auf dem Tacho.

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