+++ ChainReact-Ing XXL 18./19.07. Kuusaa – Pihtipudas – Oulu +++

Während des Frühstücks kommt tatsächlich die Sonne raus und das Equipment kann trocknen. Allein das alles wieder zu verstauen reizt mich heute überhaupt nicht. Finnland lädt an vielen Stellen zum Verweilen ein und so ist es auch heute wieder sehr schwer los zu kommen.

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Kuusaa

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Kuusaa

Die Route führt überwiegend über die E75 wobei es lange Anstiege und Abfahrten zu bewältigen gibt. Neuerdings wird vor querenden Elchen gewarnt – na die trauen sich aber was. Das einzige, was ich sehe sind Wühlmäuse und Eichhörnchen.

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Unendliche Weiten...

Während der relativ anstrengenden aber nicht sonderlich aufregenden Fahrt schweift immer wieder der Blick in Richtung Himmel, den nächsten Schauer skizzierend.
Immerhin bleibe ich bis km 90 verschont, die nun folgende Dusche zieht sich bis Pihtipudas wo ich nach 125 km einen Platz zum Nächtigen suche und zum Glück auch finde. Und obwohl ich mittlerweile darauf gefasst sein sollte habe ich jedesmal das Gefühl mich knutscht ein Elch, wenn sich die Regenwolken über mir entladen – vielleicht meinen sie ja das mit ihren ständigen Warnschildern. Die Gegenden an der E75 sind finnisches Outback, mit keiner ersichtlichen Möglichkeit des Unterstandes. Also Augen zu und durch! Die nächtliche Sauna in Pihtipudas kommt dann natürlich wie gerufen.

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Perspektivwechsel

Des Nachts regnet es fortlaufend, selbst morgens geht es so weiter. Dem Wetterbericht kann man also wieder einmal nicht trauen. Dieses Mal warte ich bis die Schauer vorüber sind und so wird das ein Tag der aktiven Regeneration mit vielen ausgedehnten Pausen. Immerhin bleibe ich über einen längeren Zeitraum trocken, wenngleich ich dadurch weniger Strecke schaffen kann als vorgenommen. Nachdem ich zwischendurch in einer Art Kirche Unterschlupf gefunden habe geht die Reise gemächlich weiter in Richtung 50 km und schon kommt der nächste Dauerregen. Mittlerweile ist es klar, dass es sich hierbei um einen äußerst schlechten Sommer handelt.
Am frühen Abend stelle ich fest, dass das Wetter besser zu werden scheint.

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Ich taste mich wieder an etwas mehr „Strecke“ ran und spüre, da geht noch mehr. Die Tatsache, dass um 21:00 kaum noch eine Wolke am Himmel ist, kaum Verkehr auf der Straße und ich frohen Mutes bin veranlasst mich es mit der 210 km Etappe nach Oulu aufzunehmen. Gute 7 h später stehe ich dann am Strand dieser Stadt, noch auslotend wo ich nächtigen werde, aber tapfer min. 220 km durchgestanden zu haben.
Letzte Kaffeepause war 23:30, Ankunft ca. 4:30.

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Früh gegen 1:30, ca. 8 Grad C.

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Ca. 3:00

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Ca. 3:15

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Ca. 4:30

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See you,
Chris

+++ ChainReact-Ing 17.07. Sysmä – Kuusaa +++

Kurze Nacht mit etwas Regen, sehr gut geschlafen aber das Equipment ist jetzt erstmal feucht.

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Zeltplatz Sysmä

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Wetter am See

Während die anderen Campinggäste frühstücken nutze ich das WiFi für Blog, Routenplanung und Wetterbericht, der aber sowas von falsch liegt: es geht zwar bei Nieselregen los, wird dann aber schnell trocken und warm. Kaum 20 km gefahren erwischt mich der erste Schauer. Der allein hat es schon in sich, anschließend allerdings kommt es richtig dicke und ich werde komplett durchnässt, als wäre ich in kompletter Montur Baden gewesen. In den weiteren 20 km auf der Bundesstraße mit teilweise nicht vorhandenem Randstreifen teile ich mir also wieder einmal eine Spur mit dem restlichen Verkehr und erlebe eine echte finnische Waschstraße. An sich ist auch das kein Problem, würde der Regen nicht auch noch Schweiß in die Augen spülen, die nun richtig brennen. Immer abwechselnd mit einem geschlossenen Auge, um das Brennen zu bremsen, geht es so dahin bis der erste ABC-Checkpoint kommt, an dem ich mich von innen wärmen kann. Wahnsinn was an diesen Stationen so los ist: Tankstelle, Supermarkt, Fastfoodstore und Kinderland in einem, 24/7 – interessant zu beobachten. Es geht abwechselnd auf Bundes- & Nebenstraßen weiter, sodass auch die Natur und natürlich die unebene Streckenführung nicht zu kurz kommen.

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Wolkenbildung

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Streckenführung

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Sonnenschein

Sobald die Sonne raus blinzelt wird es wieder richtig warm und so steht ständig ein Kleiderwechsel an um nicht zu schmelzen. Dabei scheinen solche Wassermengen aus dem 400.000-Seenland zu verdunsten, dass ein baldiger erneuter Regenschauer jederzeit gerechtfertigt scheint… von der Tourenradkleiderfront gibt es zu berichten, dass ich persönlich viel über den Rücken abschwitze, weshalb ich nun Weste bzw. Windstopperjacke verkehrt herum anziehe, damit das Trikot hinten direkt trocken kann – eine Situation, die erträglicher ist als die durch deren eigentlichen zweckgebunden Einsatz hervorgerufe Staunässe am Rücken. Erst einmal an das Klima gewöhnt fahre ich mitunter abends bloß mit Trikot, auch wenn die Temperaturen auf 12 Grad C sinken. Vorbei an der Stadt Jyväskulä werden die Vorräte gefüllt und in Anlehnung an die vergangenen drei Wochen bei km 120 damit begonnen einen möglichen Zeltplatz ausfindig zu machen. Viele bisherige Locations haben den Anspruch natürlich wachsen lassen und so gelingt es mir mich nach 140 km auf einem privaten Anwesen an einem Fluss nahe Kuusaa nieder zu lassen, das mehr als geeignet scheint.

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Schleusenbypass

Bemerkenswert ist, dass mindestens auch die Nutzung der Sauna angeboten wird, obwohl man sich nicht kennt.
Das heutige Abendmahl sieht Nudeln mit Salat vor, wobei sich ca. 200 Moskitos ungefragt beteiligen möchten, aber auch das gehört eben zu Finnland dazu.

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Zeltplatz nahe Schleuse

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Abendmahl

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Kuusaa

See you,
Chris

+++ ChainReact-Ing 16.07. Helsinki – Sysmä +++

Donnerstag – Halbzeit der ChainReact-Ing Spendenradtour!

Trotz des schönen Wetters muss ich mich erst einmal mit den Finnischen Begebenheiten vertraut machen. Und die haben es in sich: bergige Streckenführung und Wetterkapriolen, wonach es tags zuvor gar nicht aussah. Bis Lahti geht es gemütlich dahin, ganz typisch eben, durch abwechslungsreiche Landschaften, vorbei an Seen und nett gestalten Anwesen – ca. 50 km. Fast überall führen Radwege neben der 140. In Lahti wird pausiert und Wetterbericht gecheckt, aber so richtig schlau werde ich nicht draus.
Ich setze die Fahrt trotz Regen fort und gelange nach einiger Zeit in den Päijänne Naturpark, einer ausgewählten Ansammlung von Inseln im Päijanne-See, einem ziemlich großen Ding. Die Route führt mich entlang des Sees als auch mitten durch ihn durch.

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Leider ist die Tagesetappe noch nicht vollständig sonst hätte sich hier das Nächtigen sicher gelohnt. Man ist hier jedoch größtenteils gezwungen an den ausgewiesenen Plätzen zu bleiben (und Elche dürfen zur Zeit auch nicht gejagt werden). Der freie Zugang zu dem See wird durch allerhand Privatgrundstücke versperrt. Dennoch eine idyllische Gegend, vor allem wenn es nicht regnet.

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Weiter nordwärts stoße ich auf Sysmä, einer kleineren Ortschaft mit Campingplatz (auf der Höhe der finnischen Städte Tampere und Pori). Es hat hier zuvor richtig stark geregnet und so sorgt die hohe Luftfeuchtigkeit dafür, dass meine Brille noch während der Fahrt beschlägt.

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An dem Campingplatz versuche ich mein Glück und bekomme neben allerhand Konversation eine warme Dusche und das alles zu einem echt guten Preis. Denn die Preise sind seit dem Baltikum deutlich angestiegen. Zusammen mit Mika und seiner Frau Kouri wird abends noch gekocht und gegessen, lecker eingelegter Fisch probiert und sich ausgetauscht. Gegen 2:00 geht’s ins Zelt, immer noch nicht richtig dunkel und auch nicht richtig müde. Bloß 132 km geschafft heute, dafür mit ausgiebigem Wadentraining, wie mir diese jetzt um diese Uhrzeit unbedingt bei jedem Schritt mitteilen möchten.

Aber wie Martin S. kürzlich auf Betterplace geschrieben hat: keine Gnade für die Wade!

Am Ende diesen Tages beläuft sich die Gesamtstrecke somit auf 2170 km. Spenden eingegangen bisher 1250 €. Verbrauchte Kalorien: 1 Palette Nudeln, 1 Kuh, 2 Schweine, 200 kg Obst, Schokolade, viel Wasser und natürlich Kaffee mit Zucker (oder so ähnlich).

See you,
Chris

+++ ChainReact-Ing 15.07. Tallinn – Garten v. Helsinki +++

Mittwoch: Transfertag nach Finnland!

Zelt getrocknet, Sachen gewaschen und halb getrocknet, dennoch gepackt und ab in die Tallinner Altstadt zu all den Touristen, die diese Stadt nicht ohne Grund täglich aufsuchen. Einziger Unterschied: ich erfahre die Stadt in kürzester Zeit mit dem Rad und nicht zu Fuß. Das römische Pflaster passt wie immer nicht ins Konzept und so errege ich mit viel Geschepper entsprechende Aufmerksamkeit, zumindest bei der Abfahrt von der Oberstadt (Toompea) in die Unterstadt. In der entgegen gesetzten Richtung muss ich mir zuvor einen Weg durch die Massen erarbeiten werde aber alsbald mit dem Triumph belohnt der Einzige weit und breit zu sein, der so die Stadt besichtigt – und zwar das „lange Bein“ hinauf, der schmale Verbindungsweg zwischen den zwei Stadtteilen. Dort oben angelangt kann man z.B. die Alexander-Newski-Kathedrale sowie das Schloß Toompea besichtigen oder den Ausblick genießen, das Parlament der Republik bleibt einem jedoch verschlossen.

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Alexander-Newski-Kathedrale

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Ausblick

Die Hansestadt hat in der Vergangenheit mit unterschiedlichen Herrschern vorlieb nehmen dürfen, ob deutsche Orden, Schweden, Russen oder die Vorherrschaft unterschiedlicher Kirchen, in vielen der bisher besuchten Städte / Ländern zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Sichtbar wird dies an den unterschiedlichsten Kirchengebäuden umsowie der für Tallinn markanten, ständig erweiterten Wehranlage, die zum großen Teil noch erhalten ist – obwohl ein Großteil der Stadt bombardiert und zerstört wurde. Der mittelalterliche, gut erhaltene Stadtkern ist auch verantwortlich für den UNESCO-Weltkulturerbe-Status und tatsächlich einen Besuch wert.

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Bis zur Abfahrt meiner Fähre um 16:30 konnte ich also etwas hineinschnuppern ohne einen Tag opfern zu müssen. Etwas Besonderes ist das Fähren-Boarding, wenn gemeinsam mit den LKWs die Hallen gefüllt werden und man bemüht ist einen sicheren Haltepunkt zu ergattern. Sehr gut organisiert alles.

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Beliebtes Transportmittel

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Riesen Ding

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Noch ist Platz

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Platzmangel

Der Trip nach Helsinki dauert 2h. Mit Verlassen des Hafens nehmen mich mitreisende Finnen, ebenso mit dem Rad unterwegs, wärmstens in ihrer
Stadt in Empfang. Wow, was für eine Überraschung so begrüßt zu werden.
Mit deren Unterstützung gelange ich in kürzester Zeit zum Ausgangspunkt meiner Weiterreise und kann direkt mit dem heutigen Work out beginnen.

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Helsinki

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Beim Verlassen Helsinkis...

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...kann man viel entdecken

Um die folgenden Tage etwas zu entschärfen fahre ich anstandshalber 55 km, bis ich spät abends mein Zelt aufschlage. Was mich freut ist die herzliche Offenheit der Finnen, die Natur und dass es überall Kaffee gibt. Es ist super Wetter, was auch den Mücken gefällt. Heute scheint der bisher wärmste Abend dieses Sommers zu sein, da darf also etwas finnisches Calvin Klein nicht fehlen, auch CK abgekürzt bzw. Chemische Keule im engeren Sinne: „off“. Ohne dieses Mittelchen wäre ich schon übersäht mit Stichen.
Gezeltet wird übrigens irgendwie, irgendwo, irgendwann – was soll man machen wenn es um 0:00 noch nicht dunkel ist!?

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On the road again

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Gegenrichtung

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In Richtung Sonnenuntergang

Plan für die kommenden Tage: ca. 130-150 km pro Tag. Hoffe auf tolle Gegenden, gutes Wetter und nette Bekanntschaften, und dass ihr wieder fleißig auf Betterplace spendet, wenn euch mein Blog gefällt…??!

Euer euphorischer Chris

+++ ChainReact-Ing 14.07. Häädemeeste – Tallinn +++

Der 2. Teil der lettisch-estnischen Etappe führt ins 170 km entfernte Tallinn und beendet den baltischen Abschnitt der Spendenradtour. Wow – 170 km – manchmal staune sogar ich, zumal es zu Beginn nicht nach einem 100%-Tag aussah.
Ganz am Anfang aber, quasi mit Erwachen im gemütlichen Zelt mitten in der Natur, schien die Sonne, wozu der Frühstückskaffee mit Banane einfach grandios schmeckte, was das Verständnis aufkommen ließ es würde ein leichtes Unterfangen werden. Selbst die Bäuerin, die mit ihrem Quad ihre Runden drehte, wollte nichts von mir. Widersinniger Weise fällt es einem schwer weg zu kommen. Warum? Das gute Wetter lädt zum Verweilen ein, aber besser man fährt so schnell wie möglich los, schließlich könnte es sich noch ändern. Und natürlich tat es dies.

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Und Vormittags im Schatten, wie es sich gehört.

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Der gelbe Punkt markiert den Standort.

Zu Beginn führt die Route über eine Nebenstraße an der Küste entlang durch viele kleine Ortschaften. Jedes Anwesen ist sauber gepflegt und hat ein riesiges ‚Privat‘-Schild in Sichtweite der Straße hängen. Doch schon bald geht’s wieder auf die Fernstraße. Und da ist sie, die Entfernungsangabe mit 162 km. Na gut, ich zerlege mir die Strecke in Meilensteine und beschließe alle 20 km bzw. jede Stunde eine kleine Pause zu machen, hat Tags zuvor schließlich auch gut funktioniert. Wenn da nicht dieser Hunger wäre, also kurze Pause bei km 25 und Auffüllen der Reserven.
Weiter geht’s, noch 145 km, na geht doch. Bei km 50 ist dann auf einen Schlag Schluss mit der Motivation, denn es ziehen ebenso schnell Wolken auf, es beginnt zu regnen (kurz vor Pärnu).
Das bißchen Regen… habe noch nie erlebt, dass man davon so gebremst werden kann. Aber so ist das eben.
Es sind jetzt 17 Grad C, man schwitzt, es wird kühl und man versucht sich durch Fahren oder sonstwie von innen aufzuwärmen. Zum Glück gibt es in Estland und insbesondere an meiner Strecke ein relativ dichtes Tankstellennetz und bezahlbare Warmgetränke, was ich bestimmt 4 Mal wahr nehme. Noch 80 km, abends um 19:00. Es schleicht sich langsam Gelassenheit ein, wird schon werden. Also rauf aufs Rad und strampeln. Immer mit dem Blick durch den Lenker am Vorderrad vorbei auf die Straße, mit einem Auge immer nach vorne um den gefährlichen Dingen ausweichen zu können – und es liegt viel im Weg herum, was Schaden anrichten könnte.
Dann irgendwann sind es nur noch 60 km, dann 40, man rechnet quasi damit dass jeden Moment ein Ortsschilder ums Eck kommt, noch 35 km… jetzt muss es doch langsam einmal…nein, die 35 km muss ich erst noch fahren, achso.
Sobald die Vorstadt beginnt hat man es geschafft. Ich bin eigentlich ungeschickt vorgegangen, in dem ich versuche in der Stadt zu nächtigen. Die Zimmerreservierung hat obendrein auch nicht funktioniert, lange Gespräche folgen und gegen 0:00 gibt’s endlich Abendessen, nachdem ich mich, vom Gepäck befreit, zu einem Abstecher in die Altstadt begeben habe. Noch allerhand viel los, eine kleine Stadtrundfahrt bei Nacht ist somit der heutige Verdienst.
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Morgen, Mittwoch, geht’s noch einmal bei Tageslicht in die Stadt und dann mit der Fähre nach Helsinki in der Hoffnung gleich weiter fahren zu können in Richtung Oulu und bottnisches Meer.

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Euer müder Chris.

P.S.: es gibt auch ein Couchsurfing für Radfahrer, nennt sich „warm showers“ und hat nichts mit Warmduschern gemein. Leider sind die bisher angefunkten Personen nicht so spontan wie ich 😉 und benötigen teilweise eine Woche Vorlauf :?. Aber ab Finnland geht’s sowieso erst einmal mit Zelten weiter…