+++ ChainReact-Ing 9.7. Marijampole – Kedainiai +++

Wetterkapriolen zeigen mir wer der Herr im Hause Litauen ist! Auch heute ging es wieder feucht zu auf meinen Wegen, die dieses Mal nach 120 km in Kedainiai endeten.
Zunächst einmal startete ich den Tag bei herrlichen 23 Grad  C und leichter Bewölkung. Einzig die ausgelutschte linke Tretkurbel musste zuvor gewechselt werden (da war nix zu machen), und ich hatte das Glück am Vorabend den entsprechenden Radladen bereits entdeckt zu haben.

image

Werkstatt

image

Profi am Werk

Damit fuhr ich auf direktem Wege nach Kaunas, der 2. größten Stadt im Lande. Dort angekommen erkundete ich ein wenig den Altstadtkern. Und ich muss mich korrigieren, das heftigste Pflaster hat nicht Pultusk sondern Kaunas. So in etwa stelle ich mir das original römische Pflaster vor: nach einer Runde über den Marktplatz ist man quasi seekrank und das leichte Fahrrad hat mitunter einen unmittelbaren Schaden davon getragen.
Demnach hat dieses Pflaster auch die bewegte Vergangenheit der Stadt miterlebt. Mir wird auf dem weiteren Weg außerhalb der Stadt bewusst, welche Rolle sie gespielt haben muss, als ich auf ein mitten im Wald gelegenes, jüdisches Massengrab stoße.

image

Gedenkstein jüdisches Massengrab

image

Ansonsten hat die Stadt eine viel weiter zurück reichende und äußerst sehenswerte Vergangenheit zu präsentieren.

image

Martplatz mit Hansebaum

image

Da steht Dom dran

image

Rathaus

image

Archtitektur

image

Festung

image

Lustiges Wandbild

Am Nachmittag beginnt es also wieder zu regnen, das Wolkenbild wechselt, starke Winde kommen auf und ich befinde mich wieder auf einer Bundesstraße, von der ich regelmäßig fast runter geweht werde. Dabei spielen die entgegen kommenden und die mich überholenden LKW keine unerhebliche Rolle. Es geht zu wie in einer Waschstraße, Wasserduschen von allen Seiten.
Wenigstens der im Wald eingesammelte Schmutz ist jetzt wieder runter.
Riesige Gewitterwolken ziehen über mich hinweg und entladen sich zum Glück weiter nordöstlich. Am Ende des Tages kriecht die Kälte förmlich unter die Haut.. brrr, 13 Grad C nur noch.

image

Dunkle Unwetterwolken, hinter mir Sonnenschein

In der weiteren Etappe sollte ein Grenzübertritt nach Lettland möglich sein – vorausgesetzt die Bedingungen stimmen.

Euer Chris

+++ ChainReact-Ing 7./8.7. Ostroleka-Augustow-Marijampole +++

Pfannkuchen gestärkt geht’s weiter Richtung Augustow. Heute,7.7., steht weniger Gegenwind an und die Sonne zeigt sich regelmäßig. Dörfer, die regelmäßig durchfahren werden sind weniger spektakulär. Meist eine Kirche in der Mitte der Ortschaft und drum herum allerlei Geschäfte.

image

Frage mich sowieso, wie es so viele Supermärkte und Tante Emma-Läden neben einander aushalten. Es gibt auch noch sogenannte Alkoholläden, die vor allem abends von Männern aller Altersstufen frequentiert werden.

image

image

image

Am heutigen Dienstag komme ich insgesamt gut voran, werde dennoch immer wieder gebremst.
Die Suche nach einem 8er – Innensechskantschlüssel gestaltet sich dabei besonders aufwendig.
Zu guter Letzt interessiere ich mich am Ortseingang zu Augustow  (Nord polnischer Kurort) für eine wundervoll hergerichtete Gartenschaukel.

image

Mit dem Platzwart habe ich mich dann in Summe bald eine Stunde unterhalten und er mir einen Großteil seiner Lebensgeschichte nahe gebracht.

image

In Augustow bleibe ich über Nacht. Am kommenden Mittwoch Morgen ziehen erst einmal heftige Regenschauer über mich hinweg. Es ist extrem schwül, ein paar km weiter extrem windig. Frage mich,  wie die vielen Störche das aushalten, immer im Wind und an einer viel befahrenen Strasse.

image

image

image

image

Für mich gestaltet sich die Route bis zur Grenze recht zäh. Welch Freud just zu dieser Zeit auf einen weiteren Radler zutreffen, der gerade Siesta hält. Alfi, Spanier, tourt bereits den dritten Monat durch Europa und ist in der Gegenrichtung unterwegs. Wir tauschen allerlei wertvolle Erfahrung aus, 2h später geht es voller Motivation weiter. Gut zu wissen, dass es noch viel mehr so verrückte Leute gibt.

image

Lucky Alfi

Bis zur Grenze darf ich die Zloty vernichten, ab Litauen wird wieder Euro akzeptiert.

image

image

Kurz nach der Grenze beginnt es zu regnen, was auch ca. 40 km bis Marijampole anhält. Ich muss ständig an die Monsun geplagten Menschen in Nepal denken, und frage mich, was ich ohne Dach überm Kopf machen würde. Meine Kleidung hält mich zwar irgendwie trocken und warm (sind jetzt bei 17 Grad C angelangt), aber das lässt sich sicher nicht vergleichen. So richtig Lust auf Zelten will heute also nicht aufkommen…

image

image

image

image

image

Zeit + 1h

235 km in zwei Tagen, das ging zwar auch schon mal besser, dafür immerhin wertvolle Erkenntnisse gewonnen.

Euer Chris

+++ ChainReact-Ing 6.7. Nowy Dwór Mazowiecki – Ostroleka +++

Von  Nowy Dwór Mazowiecki geht es um 9:00 an der Narew entlang nach Osten. Das Frühstück wird Stück für Stück nachgeholt, bei dem schwülen Klima sind die Getränke wichtiger. Die Route ist von hier bis ins 260 km entfernte Augustow relativ einfach, es geht ständig die 61 entlang. Doch heute irgendwie ohne Schwung, mühsam und behäbig. Ich bringe mehr Druck in das Hinterrad, um den Rollwiderstand zu verringern. Will nicht so recht ausreichen. Also muss es an mir liegen. In Serock mache ich Frühstückspause und entgehe dem ersten Regenschauer. Im weiteren Verlauf der viel befahrenen 61 bringe ich dennoch nicht die Leistung, die ich mir erhofft hatte. War wohl zu viel gestern bei den hohen Temperaturen.  Dass die Landschaft mittlerweile durch Seen und entsprechende Naherholungsgebiete abwechslungsreicher wird lässt mich irgendwie kalt.

image

In Pultusk freue ich mich nach gerade einmal 56 km auf ein leckeres Mittagessen.

image

Die Kommunikation lief dabei in enger Zusammenarbeit mit anderen Gästen des Lokals,  die bereits aßen und mir so die Menükarte präsentierten. Pultusk selbst hat das grausamste Pflaster auf dem gesamten Marktplatz verteilt,  dass ich jemals befahren habe. Dass dieser Ort mit 600 m auch noch den längsten Marktplatz Europas aufbietet, zeigt wie anstrengend es ist dort eine Runde mit dem Rad zu drehen.

image

Pultusk

image

image

image

image

Frisch gestärkt mache ich mich wieder auf den Weg. Es kommt dann auch noch reichlich Seiten- & Gegenwind dazu.

image

Kurz vor Rozan drückt dieser Wind heftige Gewitterwolken über mich hinweg, die sich 3 km vor dem Ort zu entladen beginnen. Relativ trocken finde ich Unterstand an einem Supermarkt und erlebe diesen nun folgenden Wolkenbruch aus sicherer Entfernung.

image

image

Weitere 30 km bis Ostroleka wird die Route noch einmal sehr anstrengend, viel Verkehr und Gegenwind bremsen mich ein. In Ostroleka versuche ich eine Unterkunft aufzutreiben, bleibe aber erfolglos. Selbst am Rande der Stadt werden die Unterkünfte auf niedrigstem Niveau zu viel zu teuren Preisen angeboten – und das in einer Kohlekraftwerk-in-direkter-Sichtweite-Gegend, also kein Kurort.

image

Nun aufs Zelten eingestellt fahre ich also weiter. Wie durch Zufall finde ich nach 129 km jmd., der mich bei sich auf seinem Grundstück Zelten lässt. Für geringen Umkostenbeitrag, versteht sich. Mir wird eine warme Dusche angeboten und am nächsten Tag bringt mir der 5 – jährige Sohn einen mit Gartenfrüchten gefüllten Pfannkuchen ans Zelt, was für eine Gastfreundschaft, dieser Tag muss einfach besser werden.

image

image

image

P.S.: vielen Dank für die neuen Spenden, freut mich dass ihr es unterstützt! Allen, die noch spenden möchten, sei vorab gedankt!

P.P.S.: Da die Route nicht wie geplant über Weißrussland sowie Russland führen kann (Poststreik, dem unsere Pässe zum Opfer fielen), führt diese erst einmal bis Tallinn. Anschließend soll es ausgiebiger in Finnland weiter gehen, bis am 6.8. die Rückreise von Stockholm aus ansteht. An der gesamten Reisedauer und Distanz wird sich somit nichts ändern, das Ziel bleibt ebenso bestehen.

Chris

+++ ChainReact-Ing 5.7. Lodz – Nowy Dwór Mazowiecki +++

Sonntag 5.7. – Uwe möchte seinen Teil der Tour leider nicht fortsetzen und verlässt diese ab Lodz. Die Passage übers Baltikum möchte er nicht fahren, wobei dies die einzige Alternative ist um das Ziel Stockholm über den Finnischen und Schwedischen Landweg zu erreichen. Der Poststreik hinterlässt somit weitere Spuren. Vielen Dank bis hierher.
Ich fahre natürlich weiter und strebe hierbei den direkten Weg über das Baltikum nach Tallinn an. Sollten sich unsere Pässe doch noch in Bewegung setzen, wäre dies ein idealer Ausgangspunkt für einen Abstecher nach Russland.
Aus Lodz komme ich erst um 12 weg, bei relativ angenehmen Temperaturen. Wie heiß es ist merke ich erst ein paar km später. Auch wenn das im Tacho eingebaute Thermometer während der Fahrt  teilweise deutlich über 40 Grad C. anzeigt, mache ich mir wenig Sorgen ob der möglichen Risiken, denn Supermärkte haben auch heute wieder geöffnet.
Ich versuche stets über 20 km/h zu fahren, was mir auch sehr gut gelingt. Dass dabei viele Pausen unausweichlich sind ist klar und so wandern während der 137 km ca. 7-8 l in den Magen und über die Haut wieder nach außen. Ich gönne mir gegen 14:00 ein Mittagessen um auch etwas feste Nahrung zu mir zu nehmen und lasse, von der Sonne ganz vernebelt, mein internetfähiges Endgerät während dem Eincremen liegen. Zum Glück merke ich es noch rechtzeitig.
Gegen 18:00 mache ich Eiskaffeepause und warte darauf, dass es endlich kühler wird.

image

Ich kann im Verlaufe des frühen Abends eine wunderschöne Strecke direkt durch Naturparks fahren und werde nicht ständig von Verkehr flankiert.

image

Ich treffe bei den vielen Tankaktionen auf neugierige und begeisterte Einwohner. Um 21 Uhr & 50 km später erreiche ich Nowy Dwór Mazowiecki ganz in der Nähe von Warschau, das ich diesesmal bewusst nicht anfahre: ganz einfach zuviel Verkehr. Leider befinde ich mich in der Nähe der Weichsel mit allerhand stillem Gewässer und so lassen die Mückenattacken  nicht lange auf sich warten. Kurzerhand suche ich mir eine günstige Bleibe und verzichte aufs Zelten.

image

image

image

Das Feierabend-Radler schmeckt heute natürlich ganz besonders!!

image

Chris

+++ Newsblog zur ChainReact-Ing-Tour ’15 +++

4:00
Es rappelt in vielen Nebenzimmern, wohl immer dann wenn jmd. sein Bett verlässt und wieder reinsinkt. Buckelhart und nicht wirklich leise sind diese Vorkriegsliegen, aber dennoch erholsam.

22:00:
Wir haben es tatsächlich bis Boleslav geschafft und beenden die heutige Tour mit 155 km. Gemessen an der Zeit, kein guter Schnitt aber immerhin. Es handelt sich bei der Stadt um etwas besonderes, lauter Kirchen und andere relativ frisch renovierte alte Gebäude. Aber: scheinbar sind alle günstigen Pensionen ausgebucht, wirklich alle? Laut HRS sind sie das nicht, ein Grund nochmals nachzuhaken. Und siehe da, das Bed & Breakfast nimmt uns doch noch auf (als wollten sie kein Geld verdienen). Zum Zelten hätten wir wieder aus der Stadt raus gemusst… damit war das die deutlich bessere Alternative. Ein paar Bilder vom Dach auf einen Teil des tatsächlich schönen Stadtkerns:

image

image

19:00:
Kurzer Einkauf, Auffüllen aller Reserven. Wir nehmen Kurs auf Mlada Boleslav. Auf den Straßen ist nun weniger los (keine 20 LKWs pro Minute, die uns überholen) und es ist deutlich angenehmer zu fahren.

18:00:
Wir erreichen Melnik (nach vielen Bundesstraßen-km mit allerhand Verkehr) und gönnen uns ein ordentliches Abendessen. Noch immer nicht die ersehnte Strecke absolviert.
Wir entschließen uns weiter zu fahren.

14:00:
Bei gefühlten 35 Grad geht es munter weiter, vor allem immer wieder bergauf.

image

13:30 fahren wir in eine etwas größere Ortschaft namens Rakovnik ein und suchen einen Fahrradladen. Der ein oder andere kann ein paar Brocken Deutsch und so komme ich endlich an meine heiß ersehnte Tachohalterung, die kürzlich kaputt ging. Endlich wieder Geschwindigkeit messbar. Es gibt Supermarkt-Fastfood bestehend aus Brötchen, Apfel und Milchschnitte zum Mittag.

image

image

image

12:00 in einem der unzähligen,  kleinen Ortschaften:
Pause, Uwe kommt viel besser mit dem Wechsel aus Auf und Ab zurecht. Wann hatten wir gleich noch mal gefrühstückt? Der Körper braucht Energie, kaum auszuhalten diese Diät aus zwei Mal Frühstück, Mittag-, Nachmittags- & Abendessen. Fast noch wichtiger ist das Trinken geworden, immerhin 28 Grad oder mehr. Wir haben gerade einmal 26 km geschafft, können wir das noch aufholen?

image

10:00:
Wir starten überraschend gut gestärkt in die 3. Runde. Plasy verlassen wir über eine Anhöhe zur nächsten Anhöhe, usw. Diese Passagen haben es in sich. Vielleicht möchte man uns hiermit warnen (man beachte den Schädel):

image

Tag 3, Etappe Plasy – Mlada Boleslav